Magengeschwüre

Magengeschwüre

Magengeschwüre entstehen an der Magenschleimhaut des Pferdes aufgrund eines Missverhältnisses zwischen der Produktion von schleimhautschützenden Substanzen (Schleim und Puffersubstanzen) und schleimhautschädigenden Substanzen (Magensäure und Pepsin/Verdauungssäfte). Bei einem Magengeschwür, häufig einfach als „Ulkus“ bezeichnet, ist die Magenschleimhaut an einer Stelle beschädigt. Es entsteht zumeist, wenn diese dort nicht mehr ausreichend gegen die aggressive Magensäure geschützt ist. Dies kann verschiedene Ursachen haben. Die hauptsächlichen Faktoren in diesem Zusammenhang sind die Fütterung und das Training. Zusätzliche Einflussfaktoren sind: Stress, Transport, Medikamente, Narkose, neue Gruppenzusammenstellung und Umstallung.

Betroffene Pferde fallen oft auf, weil sie schlechter oder wählerischer als normal fressen, an Gewicht verlieren, mit den Zähnen knirschen, stumpfes Fell bekommen und schlecht aussehen. Sie zeigen vor allem nach der Futteraufnahme Unwohlsein und neigen immer wieder zu Koliken, eventuell entwickeln sie auch andere Probleme im Darmtrakt. Außerdem ist es möglich, dass sie ihre Leistung schlechter erbringen als üblich und vielleicht auch durch ein verändertes Verhalten auffallen, weil sie aggressiver oder nervöser sind als sonst.

Die Diagnose erfolgt über eine Magenspiegelung. Die sogenannte Gastroskopie ermöglicht eine eingehende Untersuchung sowohl der Speiseröhre, als auch des Magens, inklusive dessen Ausgang in den ersten Abschnitt des Dünndarmes. Nach einer ca. 18-stündigen Hungerphase wird ein spezielles Endoskop, ein sogenanntes Gastroskop, durch die Nüstern, über den Kehlkopf durch die Speiseröhre bis in den Magen vorgeschoben. Die besondere Anatomie des Pferdes erfordert den Einsatz eines mindestens drei Meter langen, flexiblen Gastroskopes. Mit diesem kann der Zustand der Schleimhäute von Speiseröhre, Magen (mit drüsenhaltigen und drüsenlosen/kutanen Schleimhautanteilen) inklusive Mageneingang (Cardia) und -ausgang  (Pylorus) beurteilt werden. In unserer Klinik werden bei dieser Untersuchung Bilder auf einen Videobildschirm übertragen, sodass der Pferdebesitzer den Untersuchungsverlauf direkt und vollständig mit verfolgen kann. Diese Bilder können zudem gespeichert werden, so dass eine spätere Betrachtung, z.B. vergleichend bei einer Kontrolluntersuchung, möglich ist.

Die Gastroskopie wird routinemäßig am stehenden, leicht sedierten Pferd durchgeführt. Das Pferd muss für eine komplette Nacht (ca. 18 Stunden) nüchtern bleiben. Daher empfehlen wir, dass sie Ihr Pferd bereits einen Tag vor der Untersuchung in die Klinik bringen. Nach der Gastroskopie sollte das Pferd aufgrund der längeren Hungerphase langsam und schonend wieder angefüttert werden. Dies kann aber im Heimatstall umgesetzt werden, so dass Sie Ihr Pferd nach der Untersuchung wieder abholen können.

Sollten bei der Gastroskopie Magengeschwüre bei Ihrem Pferd festgestellt werden, bekommen Sie im Anschluss von uns natürlich Empfehlungen für das weitere Management.

Dies beinhaltet zunächst vorrangig die medikamentöse Therapie mit Omeprazol (hemmt die Säurebildung im Magen, Präparat Gastrogard oder Pepticure). Je nachdem, ob die Schleimhautläsionen eher in der drüsenlosen/kutanen oder vermehrt in der drüsenhaltigen Schleimhaut liegen, wird diese Therapie durch die Gabe von Sucralfat als Magenschleimhautschutz ergänzt.

Sehr wichtig für eine erfolgreiche Therapie, und vor allem für eine dauerhafte Erhaltung der Magengesundheit Ihres Pferdes, ist eine Umstellung in der Haltung und Fütterung. Mögliche Stressfaktoren, wie zum Beispiel durch Weidepartner, Boxennachbarn, Transport, etc.,  müssen gemieden werden. Außerdem ist eine möglichst kohlenhydratarme Ernährung und die konstante Aufnahme von Raufutter wichtig. Spezielle Empfehlungen erhalten Sie dann hier bei uns in der Klinik.

 

Bilder:

bild1Magenschleimhautläsionen in der drüsenlosen/kutanen Schleimhaut am Margo plicatus

 

 

 

 

 

kl kuvaturgroßflächige Rötung der drüsenlosen Schleimhaut an der kleinen Kurvatur

 

 

 

 

 

pylorusMagenschleimhautläsionen und -schwellung am Magenausgang

 

 

 

 

 

ausgangtiefe kraterförmige Magenschleimhautläsionen am Magenausgang