MRT

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Zu Beginn ein bisschen Physik:

Sehr starke Magnetfelder bewirken, dass die Atomkerne (Wasserstoffkerne, Protone) im Gewebe elektromagnetisch angeregt werden. Bei der Rückkehr in ihren Ruhezustand geben sie ein Signal ab. Dieses Signal wird in der Magnetresonanztomographie genutzt, um ein Bild zu erschaffen. Die verschiedenen Gewebearten (z.B. Muskeln, Knochen) unterscheiden sich aufgrund ihrer Anzahl an Wasserstoffatomen charakteristisch in ihrem Signal, was zu Helligkeitsdifferenzen im Endbild führt.

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein bildgebenes Verfahren zur Diagnostik. Sie ist momentan die modernste und aufwendigste weiterführende Untersuchungsmethode innerhalb einer tiermedizinischen Lahmheitsdiagnostik beim Pferd und ermöglicht uns mittels differenziertem Schnittbildverfahren einen dreidimensionalen Rund-um-Einblick in die schmerzverursachenden Strukturen der unteren Pferdegliedmaße. Während die alltäglichen Standard-Bildgebungen wie Röntgen oder Ultraschall ausschließlich die Beurteilung von knöchernen Strukturen (Röntgen) bzw. dem Weichteilgewebe wie Sehnen, Bändern und inneren Organen (Ultraschall) zulassen, vereint die Kernspintomographie die Darstellung all dieser anatomisch wertvollen Strukturen zugleich. Ohne die Hilfe von Röntgenstrahlen, die neben dem klassischen Röntgenbild auch für eine CT- Untersuchung (Computertomographie) benötigt werden, sind wir in der Lage Schichtaufnahmen in großer Stückzahl anzufertigen. Dabei werden pro Untersuchung hunderte Einzelbilder von der gescannten Körperregion in allen gewünschten Ebenen und in unterschiedlichen Kontrasten erstellt, sodass anschließend Aussagen über den Zustand von Bändern, Sehnen, Gelenkkapseln, Knorpelkonturen, Knochenoberflächen, Schleimbeuteln etc. gemacht werden können. Wir unterscheiden hierbei Scans, die Strukturen detailliert darstellen oder mit starkem Kontrast zwischen Fett und Wasser arbeiten.

Das System ermöglicht Aufnahmen vom Hufgelenk bis hoch zum Vorderfußwurzel- bzw. Sprunggelenksbereich.

Vor allem im Hufbereich mit dem großen Komplex der „Hufrollen-Erkrankungen“ , wo eindeutige Diagnosen in der Vergangenheit oft schwierig zu stellen waren, eröffneten sich uns durch die Kernspintomographie vollkommen neue Behandlungansätze, da wir nun ein präziseres Bild des Problems und den betroffenen Strukturen erhalten.

Was passiert mit meinem Pferd in der MRT-Untersuchung?

Vor jeder Untersuchung ist eine gezielte Lahmheitsuntersuchung Ihres Pferdes durch einen Tierarzt (Ihr Haustierarzt oder direkt einer unserer Kliniktierärzte) erforderlich, um den Bereich der Schmerzursache möglichst genau einzugrenzen. Dazu ist neben der Betrachtung des Pferdes in Bewegung z.B. das Abtasten der Beine nach Wärme, Druckempfindlichkeit oder Schwellungen, Beugeproben, der Hufzangentest und diagnostische Anästhesien (Betäuben von Nerven o. Gelenken) notwendig.

Eine MRT-Untersuchung ist meist sehr zeitaufwendig (1-3 Stunden) je nach Auftrag und Fragestellung. Die Größe eines Bildes ist begrenzt, weshalb man z.B. Huf, Krongelenk und Fesselgelenk allein mit drei verschiedenen Einstellungen einzeln untersuchen muss. Deshalb ist ein gründlicher Vorbericht vorab von Ihnen aber auch von Ihrem Tierarzt zu Hause von besonderer Wichtigkeit für uns ist, um den Bereich so genau wie möglich einzugrenzen. Er kann uns diesen gerne direkt als Email zusenden: mrt@pferde-klinik.de .

Die Dauer der verschiedenen Scans variiert stark zwischen wenigen Sekunden und bis zu zehn Minuten. Manche Bereiche benötigen auch eine computergesteuerte Bewegungskorrektur, ohne die auswertbare Bilder am stehenden Pferd nicht möglich wären. Dadurch kann eine Untersuchung allein oft sehr zeitaufwendig sein und sowohl vom Besitzer als auch vom Patienten viel Geduld abverlangen. Während der Untersuchung ist für unseren Patienten absolutes Stillstehen angesagt. Dafür muss Ihr Pferd von uns sediert werden.

Aber auch die Kooperation des Pferdes und seine Toleranzgrenze bei Berührung der Beine können neben seiner Standhaftigkeit/Bewegungslosigkeit unter Sedation ein stark limitierender Faktor für eine rasche Untersuchungsdauer sein.

Aufgrund des starken Magnetfeldes ist es notwendig, alle magnetischen Gegenstände (Hufeisen, Hufnägel) aus dem Untersuchungsbereich fernzuhalten, d.h. bevor das Pferd den Raum betritt, müssen wir, falls vorhanden, die Hufeisen beider Vorder- bzw. Hintergliedmaßen abnehmen. Bitte beachten Sie, dass wir nach der Untersuchung in unserer Klinik Ihr Pferd nicht gleich wieder beschlagen können. In vielen Fällen kann dies aber auch von Vorteil sein, da nach Auswertung des MRTs eventuell eine Beschlagskorrektur notwendig wird.

Ist der Patient entsprechend vorbereitet und müde genug, darf er den Untersuchungsraum betreten und wird vorwärts in einen offenen Untersuchungsstand geführt bzw. rückwärts (bei Hinterhandproblemen) in ihn hinein geschoben. Der Untersuchungsbereich wird mittig im Magneten positioniert, der Kopf auf einem Kissen abgelegt und alle Gliedmaßen so gestellt, dass der Patient für eine lange Zeit bequem stehen kann und nicht entlastet. Jetzt wird eine Spule um das Pferdebein geschnallt und eine Kalibration des Magneten, der Spule und des Patienten durchgeführt. Die Untersuchung kann beginnen.

 

 

Wie geht es danach weiter?

Wir bieten den MRT als ambulanten Termin an, d.h. Sie können Ihr Pferd anschließend direkt wieder mit nach Hause nehmen. Aufgrund der relativ starken Sedation während der Untersuchung bitten wir Sie, Ihr Pferd für mindestens zwei Stunden auf Futterentzug zu setzen, da bei jeder Betäubung immer die Gefahr von Nebenwirkungen wie schwachem Kreislauf, Schlundverstopfung oder gar Kolik besteht.

 

Die endgültige Diagnosestellung und die daraus resultierende richtige Therapiemaßnahme erfolgt allerdings erst im Anschluss: Alle Bilder müssen professionell & zeitaufwendig ausgewertet werden, damit uns kein Detail entgeht. Die weitere Behandlung kann in der Regel auch von Ihrem Haustierarzt übernommen werden. Hierzu erhält er per Email innerhalb von 24h nach Ihrem Termin bei uns einen ausführlichen schriftlichen Bericht, in dem er über die Untersuchungsergebnisse informiert wird.

In der Pferdeklinik Burg Müggenhausen

Bereits im Jahr 2004 wurde der MRT bei uns auf Burg Müggenhausen, als eine der ersten Kliniken weltweit, die sogenannte Standing Unit der Firma Hallmarq, installiert. Einzigartig bis heute ist bei diesem System, dass die untere Gliedmaße am stehenden Pferd untersucht werden kann und damit die bisher dafür notwendige risikoreiche Vollnarkose entfällt.

Jährlich untersuchen wir bis zu 400 Pferde und können folglich auf einen großen Erfahrungsschatz beim Handling der Pferde während der Untersuchung als auch in der Interpretation der Bilder zurückgreifen. Regelmäßig, d.h. mehrfach im Jahr, besuchen unsere verantwortlichen Kollegen internationale Kongresse, um bei dieser hochmodernen Technik immer auf dem aktuellsten Stand zu sein.

Bei Fragen, Anregungen, Terminvereinbarungen oder einfach zur Beratung steht Ihnen Frau Christin Rohde telefonisch wie auch unter mrt@pferde-klinik.de jederzeit gerne zur Verfügung.